Nach der Erfahrung aus dem letzen Jahr musste ich unbedingt auch zu Andrew Scheps, dem Mix Engineering Zieh-Sohn von Rick Rubin…
Im Herbst 2024 habe ich erneut an einem Mix With The Masters-Seminar im Studio La Fabrique in Südfrankreich teilgenommen. Nach meiner Woche mit Chris Lord-Alge im Jahr zuvor wollte ich das Format ein zweites Mal erleben – inhaltlich anders, aber mit der gleichen Intensität und dem gleichen Fokus.
Dieses Mal wurde die Gruppe von Andrew Scheps begleitet, einem Engineer und Mixer, dessen Name seit Jahrzehnten in den Credits vieler internationaler Produktionen auftaucht.
Scheps hat an Alben von Künstlern wie Red Hot Chili Peppers, Lana Del Rey, Metallica, Hozier, Adele, Black Sabbath und vielen weiteren mitgewirkt. Er ist bekannt dafür, sowohl große analoge Setups als auch radikal reduzierte In-the-Box-Workflows zu beherrschen. Diese Bandbreite war auch im Seminar spürbar: Die Sessions im Studio folgten zwar einem ähnlichen Ablauf wie im Jahr zuvor – gemeinsames Hören, Diskutieren, Entscheidungen treffen – aber die Schwerpunkte waren andere.
Während bei Chris Lord-Alge vieles über Speed, Instinkt und klare Prioritäten lief, ging es bei Scheps stärker um seine Denkprozesse, technische Details und die Art, wie er Systeme baut, um schneller zu guten Ergebnissen zu kommen. Er ist ein ausgewiesener Technik-Nerd, aber einer, der Technik immer nur als Mittel zum Zweck nutzt. Entsprechend wurde über Routing, Gain-Strukturen, Bussing-Konzepte oder auch über Tools wie seine eigenen Scheps-Plugins gesprochen – allerdings nie als Selbstzweck, sondern als logische Erweiterung der Arbeitsweise.
Der wertvollste Teil der Woche fand aber oft erst nach den Studiosessions statt. Fast jeden Abend saßen wir im Kaminzimmer des Hauses. Scheps hatte eine Präsentation vorbereitet – eine Art privat kuratierte Zeitreise durch seine Diskografie, mit rund hundert Plattencovern, an denen er beteiligt war. Zu jedem Cover gab es eine Geschichte: Entscheidungen, Zufälle, Probleme, Lösungen, Begegnungen. Oft verzweigte sich ein Thema in drei neue, und man konnte stundenlang zuhören, weil er ein hervorragender Erzähler ist und seine Beobachtungen immer direkt aus der Praxis kommen.
Diese Abende hatten einen eigenen Wert. Manche Storys verändern den Blick auf die Branche, andere auf bestimmte Arbeitsweisen, wieder andere auf das Verhältnis zwischen Technik und Musik. Es entsteht ein Verständnis, das man nicht über Tutorials oder Interviews bekommt – nur durch Nähe, Austausch und Zeit.
Wie schon 2023 war die Woche intensiv, weil man komplett in dieser Bubble bleibt. Die Distanz zum Alltag, die Umgebung in La Fabrique und der offene Austausch innerhalb der Gruppe erzeugen einen Fokus, den man im normalen Studiobetrieb selten hat. Das Netzwerk aus der Woche ist bis heute aktiv, und viele Gespräche wirken im eigenen Workflow weiter.
Ich würde auch dieses Seminar jederzeit wieder machen.
pics by mix with the masters team and me