Vor Kurzem führte mich eine Reise nach Tokio. Neben der Faszination für die Stadt an sich hatte ich ein ganz bestimmtes fachliches Ziel: Ein Besuch in den NK SOUND Studios bei Neeraj Khajanji.
Das Kennenlernen
Der Kontakt zu Neeraj entstand ursprünglich auf einem Mix with the Masters Seminar bei Chris Lord-Alge. Wir kamen dort ins Gespräch und haben uns fachlich wie persönlich auf Anhieb gut verstanden. Irgendwann fragte ich ihn einfach, ob er sich vorstellen könnte, dass ich ihn mal für ein paar Tage in seinem Studio in Tokio besuche, um ihm über die Schulter zu schauen und Erfahrungen auszutauschen.
Seine Reaktion war typisch amerikanisch und sehr einladend: „Absolutely, come over!“ – und so wurde aus der Idee ein konkreter Plan.
Wer ist Neeraj Khajanji?
Neeraj ist in der Szene kein Unbekannter. Er ist in den USA geboren und in Japan aufgewachsen, was ihm kulturell wie musikalisch eine einzigartige Perspektive gibt. Sein Handwerk hat er in absoluten Top-Adressen gelernt, unter anderem in der legendären The Hit Factory in New York und später in L.A., bevor er sich mit seinem eigenen Studio in Tokio niedergelassen hat.
NK SOUND TOKYO – Crazy Shit
Sein Studio in Tokio ist beeindruckend und technisch auf höchstem Niveau. Wenn man den Regieraum betritt, sticht sofort das Herzstück ins Auge: Neben den schieren Mengen an analogen Units eine gigantische Rupert Neve Designs 5088 Konsole. Soweit ich weiß, handelt es sich dabei um eine der größten Konsolen dieses Typs, die jemals installiert wurden. Nur ein ganz kleines Bisschen größer als meine… 😉
Jazz, Anime und das „International Ear“
Die Tage im Studio waren intensiv und lehrreich. Ich hatte die Gelegenheit, Neeraj während Recording- und Mix-Sessions zu beobachten. Besonders spannend ist dabei seine Bandbreite, die sich grob in zwei Welten teilt:
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High-Fidelity Jazz: Hier liegt der Fokus auf absoluter Natürlichkeit, Nuancen und Dynamik. Er versteht es meisterhaft, akustische Instrumente organisch klingen zu lassen.
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Anime, Gaming & VR: Das ist in Japan eine riesige Industrie. Hier werden Soundtracks für große Games und Anime-Serien gemischt. Dieser Sound erfordert eine ganz andere Herangehensweise – oft „larger than life“
Dass er beide Welten bedienen kann, liegt an seinem Hintergrund, den er selbst oft als „International Ear“ bezeichnet. Durch seine Sozialisierung und Arbeit in den USA und Japan versteht er beide Klangästhetiken.
Tech Talk und Austausch
Neben den Sessions haben wir die Zeit natürlich genutzt, um ausführlich „Tech Talk“ zu betreiben. Wir haben uns über Signalwege ausgetauscht, über die Unterschiede zwischen dem asiatischen und dem westlichen Markt und darüber, wie er die Massen Outboard-Gear einsetzt.
Es war inspirierend zu sehen, wie er arbeitet: sehr schnell und intuitiv, aber immer mit dem Fokus darauf, den Sound schon an der Quelle perfekt zu machen, statt Probleme später im Mix zu lösen.
Fazit
Der Besuch bei NK SOUND war eine fantastische Erfahrung. Es ist beeindruckend zu sehen, was Neeraj sich dort aufgebaut hat und mit welcher Leidenschaft er arbeitet. Wer sich für erstklassiges Audio-Engineering interessiert, sollte den Namen Neeraj Khajanji (manchmal auch Neeraj Khajanchi geschrieben) definitiv kennen.
Danke für die Gastfreundschaft und den offenen Austausch, Neeraj!




